Das Mühlsteinrevier der Osteifel

Das Mühlsteinrevier der Osteifel

Im Zeitraum von April bis September 2025 entstand eine Serie von aquarellierten Zeichnungen aus der Heimat meiner Kindheit, das Mühlsteinrevier der Osteifel. 
Orte, die sich tief in mein Bewußtein eingegraben haben und voller spannender Geschichte stecken!
Aber zunächst ein paar interessante Informationen zur Entstehung dieser faszinierenden Region.

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„Meister Müller, he heran!

Mal er das so schnell er kann!“


Wilhelm Busch, aus 'Max und Moritz'
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Wer kennt sie nicht, die Streiche der beiden Lausbuben Max und Moritz, unter denen auch Bauer Mecke zu leiden hatte, bevor er dem Spuk der beiden Lümmel beherzt ein Ende setzte.

Vor rund 9.300 Jahren begann mit der Neolithischen Revolution ein tiefgreifender Wandel in der Geschichte der Menschheit: Die Menschen wurden sesshaft und entwickelten sich Schritt für Schritt vom Jäger und Sammler zum Bauern.
Der sogenannte Fruchtbare Halbmond, eine sichelförmige Region im Nahen Osten, gilt als Wiege der Landwirtschaft. Entlang der Flüsse Euphrat und Tigris sowie in den regenreichen Hügeln entstanden ideale Bedingungen für den Anbau von Weizen, Gerste und Erbsen sowie für die Domestizierung von Tieren. Heute umfasst diese Region Teile des heutigen Israel, Palästina, Irak, Syrien, Jordanien, Libanon sowie der Türkei und des Iran.
In Deutschland, genauer in der Eifel, vollzog sich dieser Wandel etwa 7.000 bis 6.000 Jahre vor unserer Zeit. Mit dem Ackerbau stellte sich überall dieselbe Frage: Wie ließ sich das geerntete Korn so verarbeiten, dass daraus haltbare, genießbare Nahrung entstand?
Die Kelten im Westen Deutschlands nutzten hierfür zunächst einfache Reibsteine, die wegen ihrer Form „Napoleonhut“ genannt wurden. Der benötigte Basalt wurde mithilfe von Feuer aus den Felswänden gelöst: Man erhitzte das Gestein und kühlte es anschließend schlagartig mit Wasser ab. Die so gewonnenen Basaltstücke dienten unter anderem zur Herstellung von Mahl- und Reibsteinen.


Ettringer Lay, Aquarell über Bleistift, September 2025, Format ca. 42 cm x 29,7 cm


Von den Römern zum Mühlsteinrevier
Vor mehr als 3.000 Jahren folgten in der Eifel die Römer. Sie entwickelten den einfachen Reibstein zu einer zweiteiligen Handmühle weiter. Diese bestand aus einem festen Grundstein und einem beweglichen Läufer mit zentraler Öffnung, durch die das Korn eingefüllt wurde. Durch Drehen des Läufers wurde das Getreide gemahlen, rund um den Stein aufgefangen und zu Brei (Puls) oder Brot (Panis) verarbeitet.
Römische Legionäre nutzten diese Handmühlen aus Basaltlava, die zur Grundausstattung jeder achtköpfigen Zeltgemeinschaft (Contubernium) gehörten. Mit rund 40 Kilogramm Gewicht wurden sie auf Maultieren transportiert. Getreide ließ sich wesentlich länger lagern als Mehl – ein entscheidender Vorteil auf Feldzügen. Puls und Panis militaris bildeten zusammen mit Fleisch, Hülsenfrüchten und Gemüse die Grundlage der Ernährung der Soldaten.

Basalt der Osteifel – die Grundlage des Mühlsteinreviers
Die vulkanische Geschichte der Osteifel begann vor etwa 250.000 Jahren mit den Ausbrüchen der Belleberg-Vulkane bei Kottenheim, Ettringen und Mayen. Später, vor rund 13.000 Jahren, folgte der gewaltige Ausbruch des Laacher-See-Vulkans, der die Landschaft nachhaltig prägte.
Entscheidend für die Mühlsteinherstellung war jedoch nicht allein der Vulkanismus, sondern die Beschaffenheit des Basalts. Sehr heiße, dünnflüssige Lava ließ eingeschlossene Gase entweichen und erstarrte zu dichtem, homogenem Hartbasalt – ungeeignet für Mühlsteine.
Anders verhielt es sich bei weniger heißer, zähflüssiger Lava: Die eingeschlossenen Gasblasen blieben erhalten und bildeten nach dem Abkühlen scharfkantige Hohlräume. Diese sorgten für eine raue Oberfläche, die das Korn nicht zerquetschte, sondern schonend mahlte. Nur die Basaltvorkommen der Osteifel weisen diese besondere Struktur auf – der berühmte Mühlsteinbasalt der Osteifel.


Mayener Grubenfeld, Aquarell über Bleistift, August 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Abbau, Handel und harte Arbeit
Bereits die Römer begannen mit dem systematischen Abbau des Basalts. Über Jahrhunderte entstanden Mühlsteine, die bis weit über die Region hinaus geschätzt wurden. Über den Rhein gelangten sie bis nach England und in die nordischen Länder.
Der Abbau dauerte bis 1965, zuletzt vor allem zur Herstellung von Mühlsteinen für das Roggenschroten. Die Mühlsteinhauer genossen hohes Ansehen; ihr Handwerk erforderte Erfahrung, Kraft und Präzision. Die Arbeit der sogenannten „Laier“ war gut bezahlt, zugleich jedoch hart, gefährlich und oft gesundheitsgefährdend.

Keller, Bier und Kühlung
Die unterirdischen Abbauhallen wurden später als Bierkeller genutzt. Dank der konstant kühlen Temperaturen entwickelte sich Mendig bis etwa 1860 zur Stadt mit den meisten Brauereien Deutschlands.
Dieses Monopol endete mit der Erfindung der Kältemaschine durch Carl von Linde im Jahr 1876. Seine Technik legte den Grundstein für moderne Kühlung – und letztlich für den heutigen Kühlschrank.

Die Layen – Landschaft und Erinnerung
Über Jahrhunderte prägten Wind- und Wassermühlen das Landschaftsbild der Eifel. Heute sind es die stillen Zeugen des Basaltabbaus, die geblieben sind: die Layen.
Sie erzählen von einer jahrtausendealten Kulturgeschichte, von harter Arbeit und technischer Entwicklung. Zugleich sind sie heute landschaftliche Kleinode – Orte für Naturliebhaber, Wanderer und ein Paradies für Sportkletterer.


Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Juli 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Diese Serie von Zeichnungen und Aquarellen ist nicht nur ein Dokument der bizarren Schönheit dieser Landschaft, sondern auch eine Reise in die Landschaften meiner Kindheit, die bis heute tief in meinem Bewusstsein verankert sind.
Für Max und Moritz ging der Ausflug zur Mühle bekanntlich weniger glimpflich aus: 
„Rickeracke! Richeracke! 
Geht die Mühle mit Geknacke …“
 Einige Mühlsteine der Eifel jedoch mahlen bis heute noch weiter – still, beharrlich und voller Geschichte.

 

Interessante Links

Alte Filmdokumente zur Mühlsteinherstellung in der Eifel:
https://www.youtube.com/watch?v=MsqCxHfah5U

Ziele und Ausflüge:
https://www.muehlsteinrevier.de/das-muehlsteinrevier/kottenheimer-winfeld/
https://www.muehlsteinrevier.de
https://vulkanpark.com
https://vulkanpark.com/entdecken/denkmaeler/kottenheimer-winfeld/
https://www.geopark-vulkaneifel.de/eifel/freizeit/vulkanstrasse.html
https://www.deutsche-vulkanstrasse.com/
https://www.vulkanregion-laacher-see.de/
https://www.steinzeit-museum.de/
https://roemerbergwerk.de/

Wer gerne Wandert dem empfehle ich die Routen der Komoot-App:
https://www.komoot.com/de-de/highlight/156011

Für Sportkletterer:
https://klettern-ettringen.de/basalt/
https://www.thecrag.com/de/klettern/germany/ettringen/area/239495763

 

Alle weiteren Zeichnungen

Ettringer Lay, Aquarell über Bleistift, September 2025, Format 42 cm x 29,7 cm

 

Ettringer Lay, Aquarell über Bleistift, September 2025, Format 42 cm x 29,7 cm

 

Ettringer Lay, Aquarell über Bleistift, August 2025, Format 42 cm x 29,7 cm

 

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Mayener Grubenfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Juni 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Juni 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, April 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Juni 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Mayener Grubenfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Mayener Grubenfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

… ganz inder Nähe: Die bezaubernde Burg Eltz,
Aquarell über Bleistift, April 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

… ganz inder Nähe: Die bezaubernde Burg Eltz,
Aquarell über Bleistift, April 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Kottenheimer Winfeld, Aquarell über Bleistift, August 2022, Format ca. 35 cm x 27 cm

 

Nettetal in Mayen, Aquarell über Bleistift, Mai 2025, Format ca. 35 cm x 27 cm

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