Eine Auftragsmalerei für das Münchner Künstlerhaus zur 125-Jahr-Feier am 29. März 2025.
Interpretation der Malereien der Fensterprospekte 2025 im Münchner Künstlerhaus
Die Idee zur Interpretation „125 Jahre Münchner Künstlerhaus“ ergab sich maßgeblich durch die
architektonischen Vorgaben des Festsaals mit seinen drei großen Fenstern.
Diesen den Platz dreier Themen zuweisend, stellen sie eine illustrative Abfolge von freien, bildnerischen Interpretationen zur Entstehung, Umsetzung und Nutzung des Künstlerhauses dar. Die Aufteilung der drei Prospekte in „Gestern“ (HERI), „Heute“ (HODIE) und „Morgen" (CRAS) lag daher nahe.
HODIE
Die Kultur als Zentrum der Gravitation
Wir sehen ein verändertes Weltbild, vom heliozentrischen- zum kulturzentrischen Weltbild.
Nein, Nilkolaus Kopernikus lag nicht falsch. Aber es stellt sich die Frage in der Kunst, um was kreist die menschliche Seele und welche Anziehungskraft hält sie in einer stabilen Umlaufbahn? Alles dreht sich um die Kultur, mit ihren musischen Interpretationen – wie Dichtung, Malerei, Musik, Tanz, Theater – zu allem Menschlichen, zu allem beseelten, zu aller lebendigen Natur.
Auf einem fruchtbaren Boden der Kultur, der einem Kaleidoskop gleich reflektiert, kann die Kunst wachsen und in all ihren farbigen Facetten leuchten. Auf einem solchen Boden steht das Münchner Künstlerhaus.
Strahlkraft
Die Strahlkraft all derer, die das Künstlerhaus leiteten, mit ihrem Engagement, ihren Ideen und mit ihrer ganzen Leidenschaft das Haus mit Leben füllten und füllen, ist weithin sichtbar. Wie an unsichtbaren Fäden bewegen ihre Ideen noch heute.
Was lässt durch Klang in unserer Seele ein emotionales Bild des leuchtenden Mondes und der bewegten Gestirne widerspiegeln?
Was lässt Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen kommen, um im Einklang einen seelischen Zustand in Resonanzen zu interpretieren?
Was gibt der Wahrnehmung unserer Umgebung einen neuen Blick auf die Dinge, einen neuen Sinn?
Neue Wahrnehmung, neues Selbstverständnis
Macel Duchamp stellte den Begriff der Kunst mit seinem ersten Ready Made – ein Objekt gefertigt aus einem weißen Küchenhocker mit umgedrehten Fahrradreifen – 1913 sinngemäß auf den Kopf und veränderte so für immer unsere Wahrnehmung im Alltäglichen. Er sensibilisierte unsere Sichtweise in der Kunst und lies uns fortan, Philosophen gleich, fragen: „Was ist es wirklich, was wir sehen?“.
Da Staunt der Kentaur, schüttelt den Kopf und hält für einen Moment mit seinem ungestümen Wesen inne und denkt nach. Der Maler findet sich in einer neuen Gegenwart wieder und zerbricht sein Werkzeug um mit allem neu zu Beginnen.
Das Münchner Künstlerhaus ist in einer neuen Zeit im ‚Jetzt‘ angekommen. Damals wie heute Kunst- und Schutzraum für die Kultur und deren Nachwuchs. Ein hilfreiches und notwendiges Sprungbrett und verlässlicher Startblock für begabte, talentierte, junge Interpreten und Kunstschaffende.
Alle mit der Hoffnung, das auch morgen der Mond untergeht und die Sonne wieder aufgeht und durch die Anziehungskräfte der Kunst, die sich durch 125-jähriges Wachstum im Gravitationszentrum des Münchner Künstlerhauses herausbildete, alle im rotierenden Gleichgewicht hält und so der Haltlosgkeit und dem Fall ins kulturelle Nichts weiter entgegenwirkt.
Glaubt man dem Philosophen Martin Heidegger, ist es die Angst durch den Blick in das Nichts, in den Abgrund, die uns umtreibt und das Wissen um unsere eigene Endlichkeit auf die wir beständig Zugehen.
Gut zu wissen, dass wir heute auf unserem Weg in die Endlichkeit nun ein Stück mit der U5 bis zur ‚Station Stachus‘ fahren können und anstatt ins Nichts zu starren, einen Blick ins sehr unterhaltsame und kurzweilige Programm des Künstlerhauses werfen können.
Eben, darin liegt der Sinn! Einen leeren Raum – das Nichts – mit sinnstiftender Kultur und Kunst zu füllen. In die Welt geworfen und einen neuen Anfang finden, wie die Existenzialisten Jean Paul Satres und Simone de Beauvoires, erfindet sich die Kunst täglich immer wieder neu.
Ein erstes Bewegen
Der Anstoß eines ersten Bewegers, der diesen Sinn erkennt und seine Energie zielgerichtet dem Guten zubringt in einer Bewegung vom Möglichen zum Wirklichen. Einmal angestoßen sorgen die Vielzahl jeder einzelnen, kleinen und großen künstlerischen Sonnen und Planeten für eine beständige Rotation der Kultur – die im Lauf ihrer Bahnen immer wieder neue Sterne gebiert – und mit ihrem Leuchten das umgebende Dunkle erhellen.
So wie Thelonious Monk – ein US-Amerikanischer Jazz-Musiker, Pianist und Komponist – es treffend sagte: „It‘s allways night, or we wouldn‘t need light.“
„Es ist immer Nacht, sonst benötigten wir kein Licht.“
Bilder zur Entstehung des Motivs HODIE auf dem grundierten, hölzernen Malgrund
Erster Entwurf in Bleistift und Aquarelltönung auf Papier,
Format ca. 33 x 22 cm
Übertragung und Nachzeichnen des Entwurfs mit Pinsel auf den grundierten, hölzernen Malgrund
Kreise und Rundungen werden mit Hilfe eine Fadens mit Pinsel auf den Malgrund gesetzt
Fertig für die Kolorierung ist die Vorzeichnung mit gesetzter Schattierung auf dem Malgrund
Zwischenstadium mit teilweiser Kolorierung des Motivs auf dem hölzernen Malgrund
Gesamtansicht der Fenster im Festsaal des Münchner Künstlerhauses